-----Geschichten und Gedichte rund um den Hund

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(K)EIN HERZ FÜR TIERE ein belauschtes Verkaufsgespräch von Harald Rolf Sattler abgedruckt im ( © Copyright:) Dingolfinger Anzeiger am 01.11.04


Ein älteres Ehepaar - dessen weiblicher Teil gut einen Kopf grösser ist als der männliche - betritt eine Tierhandlung. Die Räumlichkeiten sind

übertemperiert, eine interessante Geruchsmischung macht sich bemerkbar. Beim Eintreten wird eine Klingelrassel in Bewegung gesetzt. Auf deren Geräusch hin kommt aus den hinteren Bereichen der Geschäftsinhaber nach vorne in den Verkaufsraum. Die Rassel löst auch mannigfache tierische Reaktionen aus: Vögel krähen, krächzen, piepsen und tschilpen, Katzen mauzen, von irgendwo nebenan wird Hundegebell vernehmbar. Eine Schildkröte räuspert sich.

"Guten Tag, die Herrschaften. Womit kann ich dienen?"

Der Gatte: " Ja..... äh.... auch... äh.. guten Tag!... Einen Hund! Wir möchten einen Hund kaufen - für zu Hause und so - und auch zum Spazierengehen, nicht wahr?"

"Und an was haben Sie da so gedacht?"

"Nun ja, so mittelgross.."

"Ja doch! Ich habe mehrere Rassen im Angebot! Wenn Sie sagen 'mittelgross' dann habe ich schon mal einen Anhaltspunkt, einen Hinweis auf das, was Sie wollen."

"Doch, schon! Wir wollen ja! Wie gesagt: einen Hund!"

"Ich habe gerade einen Wurf Dackel, saufarbenes Rauhhaar, reinbekommen. Ganz possierliche Kerlchen, treu und ergeben und extrem wachsam! Erstklassige deutsche Zucht, beste Papiere! Fünf ganz entzückende Welpen, drei davon Rüden!"

"Ach was, gleich drei? Ist ja interessant! Und die anderen zwei?"

"Natürlich Hündinnen. Schon angestillt, stubenrein und geimpft."

"Also ich weiss nicht, Dackel mit rosa Fell? Damit machen wir uns doch lächerlich in unserer Strasse. Ich glaube, die sind nichts für uns!"

" Wie kommen Sie denn auf rosa Fell?"

"Sagten Sie nicht vorhin, schweinchenfarben mit rauhen Borsten oder so?"

"Nein, nein, das ist ein Missverständnis: 'saufarben' bezieht sich auf die Farbe von Wildsäuen, Rauhhaardackel hat man gerne in diesem gedeckten Farbton."

Die Frau mischt sich ein. "Ein Wildschwein kommt mir nicht ins Haus. Ich will einen Hund. So was Kleines, was Possierliches."

"Ein Rauhaardackel i s t etwas Possierliches, Gnädige Frau. Mit einer Wildsau hat er nur deren Farbe gemein."

Der Kunde zeigt sich besorgt: "Na ja, und womöglich auch noch den Geruch?"

"Auf keinen Fall, es ist ja ein Hund, ein kleiner liebenswerter Hund. Übrigens Wildschweine an sich riechen nicht, das sind ja, wie schon der Name sagt, wilde Tiere, also nicht domistiziert. Ein Wildschwein können Sie in freier Natur vom Geruch her überhaupt nicht wahrnehmen, während das Hausschwein - gezwungenermassen in Ställen lebend - natürlich schon eine gewisse Aura verbreitet. Aber Wildschweine sind sozusagen geruchsneutral!"

Unbemerkt von dem Ehepaar verdreht der Tierhändler die Augen zum Himmel. " Ich bringe jetzt einfach mal ein paar von den Welpen nach vorne, am besten den ganzen Wurf, dann können Sie sich selber ein Bild von den Tieren machen!"

Der Verkäufer verschwindet in den Nebenräumen. Einen grossen Korb balancierend, kommt er herein. In dem Gebinde wuseln fünf kleine Rauhhaardackel durcheinander, einer lebhafter als der andere. Der Händler hat zu tun, die kleinen Kerle im Korb zu halten. Den stellt er jetzt auf den niedrigen Tisch, das Ehepaar tritt näher. Der Mann will einen der Welpen streicheln, sofort verbeissen sich drei Hündchen in seiner Hand.

"Aua! Die haben ja schon Zähne! Pfui, loslassen!"

Der Händler greift ein. "Das dürften dann die Rüden sein, die sind natürlich noch lebhafter als die Weibchen. Aber die beissen ja noch nicht richtig. Sie buhlen nur um Aufmerksamkeit. Wollen gestreichelt werden, suchen Kontakt!"

Jetzt beissen sich in der anderen Hand auch noch die zwei Weibchen fest. "Autsch! Von wegen: die beissen nicht richtig! Na, da dank ich aber! Ich blute!"

Die Frau mischt sich wieder ein. "Pass auf die neue teure Hose auf, Hans-Egon! Das ist wahrscheinlich das Problem mit den wilden Tieren: die sind vermutlich gar nicht zu zähmen! Egal, ob Wildsau oder saufarbiger Kampfhund, die bekommen wir nie durch diese Charakterdings, diese Wesensprüfung! Die ist doch jetzt Pflicht, oder?"

Der Tierhändler befreit den Kunden von den kleinen Bestien. Der präsumtive Hundekäufer blutet mittlerweile an beiden Händen, trotzdem verteidigt er seiner Frau gegenüber die lebhaften Tiere: "Ach Unsinn, Emma! Das sind doch keine Kampfhunde. Die beissen halt nur in ihrem jugendlichen Ungestüm. Ich denke, wir sollten einen von denen nehmen. Ich möchte den, der mir da am Daumen hängt! Wie heisst denn der kleine Racker?"

"Das ist ein B-Wurf. Die fangen also alle mit einem 'B' an. Genaugenommen könnten sie den Vornamen noch selbst bestimmen. Dieses kleine Weibchen an Ihrem Daumen zum Beispiel, was halten sie von dem Namen 'Bella'?"

Die Frau ergreift wieder das Wort. "Nein nein, auf keinen Fall. Wir brauchen Ruhe, wir wollen keinen Beller, wir wohnen in einer Doppelhaushälfte, da müssen wir Rücksicht nehmen und so... nicht wahr?"

"Diese Hunde bellen nicht. Und ich wollte nur als Vornamen B-E-L-L-A vorschlagen. Sie können sie auch Berta nennen. Jedenfalls bellen diese Hunde praktisch nie..." Wie aufs Stichwort beginnen die fünf Welpen jetzt ein mörderisches Gefiepe, Gekeife, Gekläffe, bellen los, als ginge es um ihr Leben.

"... oder so gut wie nie, wenn sie nicht aufgeregt werden wie zum Beispiel jetzt. Dann wollen sie natürlich Aufmerksamkeit erregen, jeder will von Ihnen gekauft werden!"

Die grosse, korpulente Frau trifft jetzt - sichtlich gegen den Willen des Gatten - die ultimative Entscheidung: " Um Gottes Willen! Fünf so blutgierige Kläffer! Kommt überhaupt nicht in Frage. Komm, Hans-Egon, ich glaube, wir überlegen uns das alles noch einmal. Das halte ich ja nervlich gar nicht durch. Es muss doch noch kleine Hunde geben, die nicht wie Wildsäue aussehen und riechen und sich auch nicht so benehmen!"

Ehe der Tierhändler argumentativ gegenhalten kann, hat die energische Frau ihren Gatten aus dem Geschäft gezogen. Durch die Auslage beobachtet der Verkäufer, wie sich zwischen dem Ehepaar ein etwas einseitiger Streit entwickelt.

"Na ja, eine Wildsau braucht der keine mehr zu kaufen!" murmelt er zu sich selbst. "Und ein Kampfhund wäre bei denen im Hause sicher auch nur die Nummer Zwei!"



SHELTIES EHRE von Heinz Bornemann



Ich schreibe hier nicht ohne Grund,
jetzt ein Gedicht für meinen Hund,
denn wer ist treuer schon als er
das klingt jetzt sicher inhaltsschwer,
jetzt rückt er in den Vordergrund.


Er lebt bei uns nun schon acht Jahr,
ist große Freude uns fürwahr,
nur selten einmal schlechter Laune,
bringt seinen Ball in Geberlaune,
ganz wie ein kleiner Fernsehstar.



Nur wenn die Kinder fröhlich rufen,
um ihn als LASSIE abzustufen,
verzieht er grimmig sein Gesicht,
ich bin ein SHELTIE, stör mich nicht,
und nicht als Collie aufzurufen.


So ist das mit der Ähnlichkeit,
erzeugt doch eine Reizbarkeit,
denn sich mit fremden Federn schmücken,
davor möcht' er sich gerne drücken,
das zeugt doch von Bescheidenheit.



gefunden im Internet unter http://www.hundegedichte.de


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DACKELBRAV

Da Dackl Waldemar bellt laut,

indem er treu zum Herrchen schaut,

a jeda streichlt' n und mog' n,

er muass koa Gschirr und Maulkorb trogn,

und drum denkt er mit bravm Sinn -

wie guat, dass i koa Kampfhund bin.

Oskar Stock



Wastl`s letzte Chance
eine bayerische Biergartengeschichte von Harald Rolf Sattler

Ein Biergartenwetter, das schier nicht zum Aushalten ist; seit Tagen schon lacht die Sonne vom blau-blanken Himmel.In der kleinen schattigen Gartenwirtschaft herrscht demzufolge Hochbetrieb.


An einem der Tische unter den Kastanien eine Gesellschaft 'zugewanderter Ausländer', vermutlich urlaubende Kurzzeitasylanten aus Berlin oder benachbarten Gauen. Jedenfalls deutlich hörbar preußisch-nordischer Provenienz. Aber "Preiß'n her, Preiß'n hin"; die Stimmung in diesem bayerischen Elysium lässt auch die Auswärtigen nicht unberührt. Man amüsiert sich "wie'Bolle", will sagen köstlich und lautstark; alles mundet vortrefflich, schmeckt "kolossal schön und lecker"! Am Tisch der Nordlichter ist noch ein Platzerl frei.

Ein Bajuware in der hirschledernen Stammestracht, sein rauhhaariges Zamperl im Arm, hält stramm Kurs auf den Tisch. "Da is noch frei?"

Was eigentlich als halbwegs höfliche Frage gedacht war, tönt eher wie ein Befehl. Die 'Preiß´n´bekommen kaum Gelegenheit, verbal oder nickend zuzustimmen. Das "frei" ist noch nicht ausgeklungen, da hockt der Bayer schon breitsteißig am Tisch und setzt den Wastl neben sich auf die Bank. Unter buschigen Augenbrauen mustert der kleine Hund -verhalten knurrend und grantig - die Tischgesellschaft.

Man rückt bereitwillig zusammen. Der Neuangekommene nimmt Augenkontakt auf mit der vorbeihastenden Bedienung, wortlos klappt die Kommunikation mit ihr: beim nächsten Durchgang knallt ihm die Theres eine frische Maß auf den Tisch. Der erste Zug am Krug - bekanntlich der beste! - zischt; der Schaum wird rückhändig abgewischt. Der Rauhhaardackel leckt genüsslich die abgestreifte Gischt vom Handrücken seines Herrchens. Preußischerseits beobachtet man das routinierte Geschehen - Trinken, Wischen, Lecken - nicht uninteressiert.

Einer von denen tönt prompt los: "Weiß Jott, aba det sieht ja janz so aus, als ob Ihr Hundchen - janz possier1icher Racker, das! - a janz jerne so' n Jefäß mit Bier zu sich nehmen möchte!?"

"Mei, der Wastl mag scho gern ein Bier, aber mit der Mass hat er halt noch so seine Probleme!" Der Bajuware hebt seinen Krug, leert ihn mit dem zweiten Zug und ohne abzusetzen bis zum Boden. Die Nordlichter glubbschen beeindruckt. Wieder Abwischen des Schaumes von der Oberlippe, wieder freudig-dankbares Lecken von Seiten des Zamperls.

Der Bayer fährt erläuternd fort: "Mit seine kloan Pratzerln ko er halt den Kruag net derpack'n! ... Aber dös werd' nacha schon; ... mir trainier´n ja fleißig!"

Nun ist das Interesse der Tischgesellschaft vollends geweckt. "Wie trainieren? Wat trainieren Sie denn mit die Töle?" erkundigt sich der Wortführer.

"Mei, unser kloa Wasti möchte halt so vui gern BundesChampion der Kampftrinker-Dackel werd´n! ... Niederbayerischer Landessieger im Restlsauf'n is er eh' schon, jetzt hoaßt´s halt fleißig üben, damit dass er d´Moasterschaft packt!"

"Wat denn, wat denn!? ... Ick vasteh imma nur "Bahnhof! ... Woll'n Sie uns etwa vaklickern, det der kleene Hund da so'n janzen Krug Bier trinken kann?"

"Ja eben akk'rat n i c h t ! ... Er ist halt noch net ganz so weit! ... Trinken tät er'n schon mög'n, aber halten kann dös Viecherl mit seine kloan Pfoterln den schwar'n Kruag noch nicht! ... Kaum, dass er die halbe Maß g'suffa hat, no lasst mir der Hirsch, der damische, den Kruag fall'n!"

Der Bayer zeigt sich über das Versagen seines Hundes aufgebracht und empört.

Sein Gesprächspartner hingegen demonstriert Ungläubigkeit. "Na, ick werd' nicht wieda! ... Det kleene Köterchen da soll ´ne Maß Bier trinken können?..Der würde doch glattweg mittenmang zerplatzen, der kleene Racker! ... Det jloben Sie doch selba nicht!"

Der Bayer gibt sich entrüstet: "Ja i i i glaub´s scho!... S i e tean's net glaub'n!...Aba uns zwoa is dös fei wurscht, ob Sie's glaub'n oder net!...Kimm, Wasti, mir packen's, mir genga hoam!"

Der Bayer erhebt sich, greift nach dem Hund.

"Nee nee, ,juter Mann!" protestiert sein Kontrahent lautstark unterstützt von seinen Landsleuten. "Sooo einfach komm' Sie uns mit Ihrem Wundatierchen nu nich davon! Det woll'n wa nu mal seh'n, ob det Tier det Bier üwahaupt zur Kenntnis nimmt!" Und zur Kellnerin gewandt, ordert der Berliner: "Sie, jute Frau, bringen Sie uns doch rasch noch mal 'nen Krug Bier!"

Die Bedienung, die den Wasti und die Kampftrinker-Nummer schon kennt, hat die frische Maß schon parat. Zack!, schon steht sie vor dem saufarbenen rauhhaarigen Biergartenzamperl.

Die Theres kassiert das Bier bei den Preiss`n.

Der Bayer positioniert seinen Dackel mit einem lautstarken: "Oans! ... Zwoa!... "

Auf dieses Kommando stellt sich der Hund auf die hinteren Pfoten, stützt sich mit den vorderen am Biertisch ab und starrt auf die frische Maß und deren verlockende Schaumkrone. Dann wirft er einen fragenden Dackelblick, der die weissen Ränder in seinen schönen braunen Hundeaugen sehen lässt, zu seinem Herrn.

Der tönt: "Drei!....Und gsuffa!"

Nichts geschieht. Der Hund guckt zum Herrn, das Herrchen guckt zum Hund.

Endlich sagt der Hirschlederhosenträger in vorwurfsvollem Ton zu dem verhinderten Kampftrinker-Champion: "Also Wasti!,...A oanzig 's Mal zoag I dir's noch, dann muass de Nummer aber endlich sitzen!

Er greift nach dem Krug, setzt ihn an und mit einem kaum hörbaren Glucksgeräusch lässt er sich die frische Maß über den Knorpel in Richtung Leber rinnen. Ohne Abzusetzen zwingt er den Liter frischen Gerstensaftes dorthin, wo er hingehört. Mit einem zufriedenen "Ahhh! ... Guat war's!"' stellt er den leeren Krug ab.

Wasti darf wieder den abgewischten Schaum vom Handrücken lecken.

Die Preiß'n sind um eine Maß Bier ärmer und um eine Erfahrung reicher. Und der Biertrinker und sein Rauhhaardackel sind einen Schritt näher an der absoluten, königlich-bayerischen Biergartenglückseligkeit!






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last update: 01.1102004
erstellt: 05.01.2003
© Copyright: Brigitte Pollag