Schwanenglück...... oder zwei, die sich nicht finden
konnten

Manchmal schreibt ja das Leben selbst die schönsten
Geschichten.....
Bei meinen nachmittäglichen Wanderungen,
mit meinen Shelties, an unserer Vils entlang, bemerkte ich eines schönen
Wintertages ein Schwanenpärchen, was dort im Wasser gründelte und
schwamm. Dieses Pärchen konnte ich mehrere Tage beobachten und mich an dem,
hier doch seltenen Anblick, erfreuen. Das ging so ungefähr eine Woche
lang. Es war Mitte Januar, alle Welt fürchtete sich wegen der Vogelgrippe
und ich hoffte deshalb, dass "meine" Schwäne sicher über den
Winter kommen würden.
Einen Nachmittag,
Anfang Februar, fand ich allerdings plötzlich nur noch einen Schwan vor.
Er sass ganz allein an einer Landstrasse und ich bekam richtig Angst um ihn.
Gerade dort fuhren die Autos immer besonders rücksichtslos. Der 2. Schwan
war nirgends zu sehen.... War er auch ein Opfer der Vogelgrippe geworden?
Jetzt verfolgte ich besonders
intensiv die Nachrichten, fragte auch hier im Ort, ob jemand einen Schwan
gesichtet hätte. Aber niemand wusste von einem verletzten oder toten
Schwan.
"Mein" einsamer Schwan, von dem ich
nicht wusste, ob er männlich oder weiblich war und den ich inzwischen
insgeheim "Swanie" genannt hatte, hielt sich die ganze Zeit nur an
einer bestimmten Stelle an der Vils auf und jeden Nachmittag war ich froh, wenn
ich ihn entdeckte. Aber er wirkte total traurig!!!! Ich wusste, dass Schwäne
ihrem Partner sehr treu verbunden sind und sie extrem trauern können, wenn
der jeweilige Partner stirbt oder anderswie abhanden kommt.

Mitte Februar bekam ich dann einen regelrechten
Schock, als ich "Swanies" Lagerplatz vorfand. Der
ganze Schnee dort war mit Blut besudelt. In meiner Phantasie sah ich "Swanie"
schon als Opfer eines wildernden Hundes oder eines Tierquälers. Fieberhaft
schaute ich mich um und entdeckte dann endlich Swanie im Uferbereich. Er/sie kam
auch herangewatschelt und ich konnte sehen, dass er eine blutende Wunde am Übergang
vom Bein zur Brust hatte. Sofort rief ich den Tierschutzverein und meinen
Tierarzt an. Beide meinten, ich solle "Swanie" erst mal in Ruhe lassen
und ihn beobachten, da er ja noch recht rege und gut auf den Beinen war. Schwäne
würden sich manchmal, beim Herauswatscheln vom Wasser ans Ufer, im
Brustbereich an spitzen Steinen oder ähnlichem verletzen, es wäre
nicht ungewöhnlich und meistens eine Bagatelle. Am nächsten Tag sollte
ich noch einmal nachschauen und wenn es ihm dann schlechter ginge, nochmals
anrufen. Ob es denn der Schwan wäre, der in der Nähe der alten Mühle
lagerte..., wurde ich von der Dame des Tierschutzvereins gefragt???? Den hätten
die Tierschützer schon den ganzen Winter versorgt und mehrfach aus dem Eis
befreit, weil er dort festgefroren war.
Nein, "mein" Schwan lagerte nicht an der
alten Mühle..... Doch noch ein weiterer Schwan? Vielleicht war das der
Partnerschwan von "Swanie", den er so vermisste.......

Am nächsten Tag ging es "Swanie" auch schon deutlich
besser. Die Blutung hatte auch aufgehört. Irgendwelche Leute hatte ihm auch
etwas Körnerfutter hingestellt und er frass gierig. Ein gutes Zeichen! Ich
bin ja kein Freund von Fütterung der Wildtiere, aber zu der Zeit lagen über
70cm Schnee und die Ernährungslage für einen Schwan, der dazu noch
leicht verletzt war, war mehr als schlecht. Swanie lebte nun weiter an seinem
so gefährlichen Platz in unmittelbarer Strassennähe.
Es war inzwischen Mitte März geworden und überall wurden
tote, am Vogelgrippevirus verendete Schwäne gefunden. Nur "Swanie"
ging es gut. Allerdings wirkte er wirklich todtraurig und mir ging immer wieder
die Aussage der Tierschützerin, vom Schwan, der in der Nähe der Mühle
hausen sollte, durch den Sinn.
Eines Tages weitete ich meinen
Nachmittagsspaziergang aus und ging in Richtung Mühle.... Und
wirklich!!!....Mitten auf einem schon teilweise vom Schnee befreiten Feld, sass
ein Schwan!. Und schrie sich die Seele aus dem langen Hals..... Wahrscheinlich
suchte er seinen Partner! Nicht ahnend, dass dieser ja nur 1 km entfernt von
ihm lebte!
Jetzt fing ich an zu grübeln,
nervte meinen Ehemann mit Fragen, wie man am Besten wieder die zwei Schwäne
zusammenbringen konnte. Anscheinend hatte sie ein Hund aus dem Wasser getrieben
und sie sind in zwei verschiedene Richtungen davongeflogen. Sie sassen ca. 1
Kilometer voneinander entfernt und jeder wartete auf den Anderen.

Irgendwie musste man die doch wieder zusammenbringen können???....
Aber wie????
Swanie einzufangen, wäre zu viel Stress für das Tier
geworden. Das kam nicht in Frage. Vielleicht konnte man ihn irgendwie in den
nahen Bereich des anderen Schwans locken.......Eine ganze Nacht lang überlegte
ich hin und her. Sollte ich es wagen?
Ich bin dann
am 21.03. mit Brotwürfeln bewaffnet zu "Swanie". "Hey,
Swanie", habe ich gesagt, "hast Du Lust auf einen Ausflug? Komm, wir
gehen Deinen Kumpel besuchen....."
Ich hätte
es selbst nicht geglaubt, aber es war, als hätte "Swanie" meine
Worte verstanden. "Swanie" watschelte plötzlich ganz von allein
mit uns mit. Er/sie, die sonst immer an ihrem Stammplatz blieb, schloss sich
uns absolut vertrauensvoll an. Meine Brotwürfel konnte ich total
vergessen. Die brauchte ich gar nicht, um ihn/sie zu locken. Swanie reagierte
voll auf Lockrufe meinerseits und folgte mir mit kleinen Watschelschritten. Ich
lockte "Swanie" einfach schrittweise weiter und sie/er lief mit, als
wüsste es der Schwan, dass ich ihn/sie in das Revier des anderen Schwans führen
wollte. Nur...., es war eben 1 ganzer Kilometer, den wir zurücklegen
mussten!!!! Ich war mir nicht sicher, ob "Swanie" nicht nach ein paar
Watschelmetern aufgeben und umkehren würde. Aber sie/er watschelte
unbeirrbar weiter. Es muss ein witziges Bild gewesen sein..... Vorneweg 2
Shelties, die es absolut blöd fanden, dass Frauchen im
Schwanenschleichschritt, gefolgt von einem Schwan, hinter ihnen herschlich.
Immer wieder blieb "Swanie" stehen und ich dachte schon,"na, das
war's wohl,. Jetzt mag er nicht mehr:" Aber er/sie zupfte sich nur ein paar
Blättchen als Marschverpflegung ab und weiter ging die Reise. Zeitweise
blieb sie/er dann abermals stehen und schien irgendwas zu hören, machte
den Hals ganz lang und drehte den Kopf in alle Richtungen, um dann aber wieder
mit uns weiterzuwandern. Als wir die halbe Strecke ins andere Schwanenrevier
geschafft hatten, atmete ich schon insgeheim auf. Hier war "Swanie"
erstens von der gefährlichen Strasse weg und fast in Rufnähe
ihres/seines Schwanenkumpels. "Swanie" wurde anscheinend nun auch
etwas müde, lief zur Vils runter und liess sich ins Wasser gleiten. "Jetzt
ist 's vorbei, anscheinend ist er jetzt müde!, dachte ich. Aber "Swanie"
dachte gar nicht daran aufzugeben, sondern schwamm jetzt mit einer recht guten
Reisegeschwindigkeit mit und bald kamen wir an die Stelle, wo normalerweise der
andere Schwan sitzen sollte.....
SOLLTE!!!!!!
Aber wie das Leben so spielt..... Er war nicht da! Traurig
verabschiedete ich mich von "Swanie" und hoffte, dass ich sie/ihn am nächsten
Morgen wieder an diesem Platz vorfinden würde. Hoffentlich würde
er/sie nicht doch wieder zu dem alten, gefährlichen Platz an der Strasse
zurückfliegen ....
Und natürlich war
meine ganz grosse Hoffnung, dass der 2. Schwan sich doch noch einfinden würde......
Am nächsten Tag konnte ich nicht schnell genug zu "Swanies"
alter Lagerstätte an der Landstrasse kommen. Sie war verlassen..., juchhu!
Also musste "Swanie" noch an der Stelle sein, wo ich ihn/sie am
vorigen Tag zurückgelassen hatte. Schnell liefen meine Shelties, Dusty und
Sammy und ich zu dem besagten Ort. Die Shelties waren froh, dass unsere
Wanderung nicht wieder im langsamen Zockeltrab, den wir wegen "Swanie"
am Vortag einlegen mussten, vonstatten ging. Schnell erreichten wir den Teil der
Vils, wo ich "Swanie am Tag davor verlassen hatte. Und richtig...., dort
schwamm sie/er und auf meinen Ruf "Swanie" kam er /sie auch gleich an
andere Ufer geschwommen. Natürlich war ich enttäuscht, dass ich nur "Swanie"
sah und keine 2 Schwäne..... War mein Plan misslungen und der andere
Schwan doch nicht aufgetaucht?????Aber plötzlich....., bewegte sich da
nicht etwas Weisses im Schilf am anderen Ufer??? Oder war es ein Schneerest??
.... Nein..., auf einmal kam Schwan Nr.2 herangeschwommen. Mein "Swanie"
hatte seinen Partner wiedergefunden !!!!! "Swanie" begrüsste mich
mit ganz lautem freudigen Geschnatter. Ja, wirklich...,richtig freudig, als
wolle er/sie sagen, "schau, jetzt sind wir wieder zusammen!!!!"

Und wenn ich nicht wüsste, dass Schwäne nicht lächeln
können, ich könnte schwören, "Swanie" hatte das
breiteste Grinsen der Welt im glücklichen Schwanengesicht!
Und ich auch! .....Und Tränen vor Freude in den Augen!!!!
Jetzt besuche ich die Zwei jeden Tag, obwohl der Weg eigentlich nicht
auf meinem Hundeweg liegt. Aber ich möchte doch wissen, ob ich nicht nur
zwei glückliche grosse Schwäne, sondern demnächst auch kleine "Swanies"
dort sehen kann.

Natürlich werde es dann hier berichten, wenn kleine Schwäne
angekommen sind.
erstellt: 26.03.2006
©Copyright:
Brigitte Pollag